Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störung (ASS) im Erwachsenenalter

Klarheit durch Diagnostik

Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zeigt sich vielfältig – jeder Mensch im Autismus-Spektrum ist anders. Manche merken erst im Erwachsenenalter, dass bestimmte Denk- oder Verhaltensweisen mit ASS zusammenhängen könnten. Häufig wurden Strategien entwickelt, um Schwierigkeiten im sozialen Kontakt oder in der Reizverarbeitung auszugleichen. Eine fundierte Diagnostik kann helfen, dieses persönliche Puzzle besser zu verstehen und den eigenen Lebensweg mit mehr Selbstakzeptanz zu betrachten.

Ablauf der Diagnosestellung

Grundlage ist ein strukturiertes leitlinienbasiertes Vorgehen nach aktuellen wissenschaftlichen Standards. Der Prozess gliedert sich in mehrere Etappen:

Erstgespräch: In einem ersten Gespräch werden Beweggründe und Fragen besprochen. Gemeinsam wird entschieden, ob eine Autismus-Diagnostik sinnvoll ist und welche Schwerpunkte gesetzt werden sollten.

Biographische Anamnese: Im ausführlichen Anamnesegespräch geht es um wichtige Stationen des Lebens – Kindheit, Schule, soziale Erfahrungen und berufliche Wege. Auch Stärken, besondere Interessen und Belastungen werden besprochen, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.

Klinische Interviews: Zum Einsatz kommen strukturierte Interviews, die helfen, autistische Merkmale systematisch zu erfassen. Dabei werden sowohl kommunikative als auch soziale Aspekte sowie Besonderheiten im Verhalten und in der Wahrnehmung berücksichtigt.

Fragebögen und psychologische Tests: Ergänzend werden standardisierte Fragebögen eingesetzt, die unterschiedliche Bereiche wie soziale Interaktion, soziale Kognitionen, Emotionsverarbeitung und Reizwahrnehmung abbilden. Die Erhebung erfolgt digital, sicher und komfortabel. Im Anschluss werden die Ergebnisse sorgfältig ausgewertet und im persönlichen Feedbackgespräch verständlich erläutert.

Einbezug von Bezugspersonen: Wenn möglich, können Angehörige oder Menschen aus dem näheren Umfeld befragt werden. Ihre Beobachtungen ergänzen das Gesamtbild und helfen, Verhaltensmuster über die Lebensspanne hinweg einzuordnen.

Differentialdiagnostische Abklärung: Autistische Merkmale können sich mit anderen psychischen oder körperlichen Beschwerden überschneiden. Daher wird im Rahmen der Diagnostik geprüft, ob zusätzliche Untersuchungen – etwa ärztlich oder neurologisch – hilfreich sein könnten, um andere Ursachen sicher auszuschließen.

Befundbericht und Ausblick: Am Ende des Prozesses wird ein Befundbericht erstellt, der alle relevanten Ergebnisse und Testergebnisse zusammenfasst. Der Bericht wird persönlich ausgehändigt und in einer abschließenden Sitzung besprochen. Dabei erhalten Sie auch Informationen zu möglichen Behandlungsschritten, Unterstützungsangeboten und weiterführenden Hilfen.

Ziele und Nutzen der Diagnostik

  • Verständnis schaffen für das eigene Denken, Fühlen und Handeln.
  • Sicherheit darüber gewinnen, ob eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegt.
  • Orientierung über mögliche Unterstützungs- und Behandlungsmöglichkeiten erhalten.
  • Zusammenhänge zwischen bisherigen Erfahrungen, Belastungen und Ressourcen erkennen.
  • Wege finden, die eigene Lebensgestaltung selbstbestimmter und ausgeglichener zu gestalten.

Eine ASS-Diagnose ist kein Etikett, sondern ein Schlüssel zu mehr Klarheit, Selbstverständnis und innerer Entlastung. Sie kann der erste Schritt sein, um sich selbst zu verstehen und passende Unterstützung zu finden.

Kosten

Die Kosten werden gemäß der Gebührenordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (GOP) berechnet.