ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche – auch Erwachsene können davon betroffen sein. Oft bleiben die Symptome lange unerkannt, weil sie sich mit den Jahren verändern oder weil Betroffene gelernt haben, sie zu kompensieren. Eine fachgerechte Diagnostik kann helfen, die Hintergründe besser zu verstehen und neue Wege im Umgang mit den eigenen Herausforderungen zu finden.
Ablauf der Diagnosestellung
Die Diagnostik orientiert sich an internationalen Leitlinien und umfasst mehrere Schritte:
- Erstgespräch: Der erste Schritt ist ein persönliches Gespräch. Hier besteht die Möglichkeit, Fragen zu klären, das Anliegen zu besprechen und gemeinsam zu prüfen, ob eine ADHS-Diagnostik sinnvoll ist. Dabei geht es auch um einen Überblick über bisherige Erfahrungen, mögliche Belastungen sowie Erwartungen an den diagnostischen Prozess. Nach dem Erstgespräch kann entschieden werden, ob und in welchem Umfang die weitere Abklärung erfolgt.
- Biographische Anamnese: Im Vordergrund steht ein strukturiertes Anamnesegespräch, in dem bisherige Lebens- und Schulgeschichte, aktuelle Beschwerden sowie persönliche Stärken und Belastungen besprochen werden.
- Interview: Ergänzend kommen strukturierte oder halbstrukturierte klinische Interviews zum Einsatz, die speziell für die Diagnostik von ADHS im Erwachsenenalter entwickelt wurden. Diese helfen, die Symptome systematisch zu erfassen und von anderen psychischen Störungen abzugrenzen.
- Fragebögen und Testverfahren: Zum Einsatz kommen wissenschaftlich fundierte, für ADHS im Erwachsenenalter spezifizierte und validierte Instrumente. Diese Tests erfassen verschiedene Bereiche wie Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Die Verfahren entsprechen modernen, leitliniengerechten Standards. Die Fragebögen können komfortabel von zu Hause aus bearbeitet werden und laufen computerbasiert über Hogrefe Testsystem. Damit ist eine präzise, sichere und datenschutzkonforme Durchführung gewährleistet. Die Ergebnisse werden anschließend fachlich ausgewertet und im persönlichen Gespräch besprochen.
- Fremdbeurteilungen: Wenn möglich, werden auch Informationen von Angehörigen oder früheren Bezugspersonen einbezogen, um das Gesamtbild zu vervollständigen.
- Differentialdiagnostische Abklärung: Ein weiterer Bestandteil der Diagnostik ist die sorgfältige Differentialdiagnostik. Konzentrationsschwierigkeiten oder emotionale Unruhe können auch bei anderen psychischen Störungen wie Depressionen oder Angststörungen auftreten. Ebenso können körperliche Ursachen wie Schilddrüsenerkrankungen, Schlafstörungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten ähnliche Symptome hervorrufen. Daher ist im Rahmen der Diagnostik eine konsiliarische ärztliche Abklärung notwendig, um mögliche somatische Hintergründe auszuschließen. In der Regel erfolgt dies durch eine hausärztliche oder fachärztliche Untersuchung, beispielsweise internistisch oder neurologisch. Erst durch die Kombination psychologischer und medizinischer Befunde kann ein verlässliches Gesamtbild entstehen.
Ziele der Diagnostik
- Klarheit schaffen, ob ADHS vorliegt oder andere Ursachen die Beschwerden erklären.
- Aufklärung und Beratung zu den individuellen Diagnoseergebnissen bieten – im gemeinsamen Auswertungsgespräch werden alle Befunde verständlich erläutert.
- Empfehlungen für mögliche Behandlungswege geben, die individuell abgestimmt werden. Je nach persönlicher Situation können psychotherapeutische oder pharmakologische Maßnahmen, Psychoedukation, Verhaltenstherapie oder Training von Selbstmanagement- und Organisationsstrategien sinnvoll sein. Auch eine begleitende ärztliche Behandlung kann empfohlen werden, wenn eine medikamentöse Unterstützung in Betracht gezogen wird.
- Selbstverständnis fördern, indem Zusammenhänge zwischen Lebensgeschichte, Verhalten und Erleben nachvollziehbar gemacht werden.
- Ressourcen stärken, um persönliche Stärken gezielt im Alltag einzusetzen und neue Handlungsstrategien zu entwickeln.
So bildet die Diagnostik die Grundlage für eine individuell abgestimmte Behandlung und kann den Startpunkt für nachhaltige Veränderung und Entlastung darstellen.
Kosten
Die Kosten berechnen sich nach der Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP).
